Christliche Paradigmen – neu evaluiert

Vorwort

Worum es geht

Hier veröffentlichen wir Artikel von Yakob Y. Peretz zu einer Anzahl von Grundbegriffen des christlichen Glaubens, die oft falsch verstanden werden. Es ist geplant, diese Artikel als Buch zu produzieren, aber im Moment ist jenes noch in Bearbeitung. Hier werden fertig bearbeitete Artikel voraus publiziert und so der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Autor

Yakob ist ein 58 Jahre alter Mensch jüdischer Herkunft, der als Kind von seiner Familie getrennt wurde und in der Schweiz unter römischen Katholiken aufgewachsen ist. Mit sechs Jahren wurde er gegen seinen Willen katholisch getauft und erhielt eine rein katholische Erziehung bis zum zehnten Lebensjahr. Dann war er bis zur Erreichung seiner Volljährigkeit in Obhut einer protestantischen Familie. Bald nach Erreichung der Volljährigkeit erlebte er eine Wiedergeburt, und als Folge davon trat er aus der katholischen Kirche aus und kehrte wieder zum Judentum zurück.

Als Jude war Yakob endlich wieder zuhause bei seinem eigenen Volk und begann, sich in seine religöse Urheimat wieder einzuleben. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte seiner Auseinandersetzung sowohl mit dem Christentum wie auch mit dessen Mutterreligion, dem Judentum, wurde seine Beziehung mit dem Erlöser Yeschua, wie Jesus auf Hebräisch heisst, in extremster Weise auf die Probe gestellt, und diese Auseinandersetzung hat ihn dazu gezwungen, alles zu hinterfragen, was er sowohl von Juden wie auch von Christen über Gott und über den Messias gelernt hatte.

Als Grundlage für diese Auseinandersetzung sowie als Anker in den vielen Stürmen der Glaubensfragen diente ihm die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Im Verlauf der Jahre des Berufslebens, des Ehelebens , der Kindererziehung sowie des Grosseltern-Standes hat er Fragen gestellt und Antworten gefunden, die für viele hilfreich werden könnten. Wir bieten hier eine Auswahl der aus dieser Auseinandersetzung geborenen Artikel aus Yaacovs Feder zur freien Lektüre an, und wir bitten freundlich um Achtung des Urheberrechts.

Paradigma #1 – Sabbat

Im Christentum ist der Sabbat eine auswechselbare Instanz. Man kann ihn grundsätzlich feiern wann man will und wie man will. Im Judentum ist das anders. Da wird der Sabbat als Königin-Braut gesehen. Die Sabbat-Königin wird am Freitagabend ehrenvoll empfangen mit der „Kabbalat Schabbat“ Zeremonie, und Samstagnacht wird sie hinausbegleitet mit der „Melave Malka“ Zeremonie. Beide Zeremonien sind verbunden mit Gebet und einer schönen Mahlzeit.

Der Sabbat ist eine Institution, welche nicht nur den Juden gilt. Das wird zwar von vielen Rabbinern anders vertreten, aber Bibel-geschichtlich gesehen ist der Sabbat am Anfang der gesamten Menschheitsgeschichte eingesetzt worden.

1 Mos. 2:2 Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte.

Der Sabbat – eine Königin?

Im vierten Kapitel des Hebräerbriefs wird der Sabbat definiert als die Ruhe, die wir in Yeschua haben. Und in den Versen 4-7 lesen wir, daß Yeschua unsere Sabbatruhe ist. Der Sabbat ist also ein Vorschatten auf Yeschua, welcher der Sabbat in Person ist. Indem wir Ihn annehmen und unser Leben von Ihm beherrschen lassen, gehen wir in Ihn, unsere Ruhe ein.

Denn er hat irgendwo von dem siebten Tag so gesprochen: «Und Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken.»  Und an dieser Stelle wiederum: «Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!»  Weil es nun dabei bleibt, daß einige in sie eingehen und die, denen zuerst die gute Botschaft verkündigt worden ist, des Ungehorsams wegen nicht hineingegangen sind,  bestimmt er wieder einen Tag: ein «Heute», und sagt durch David nach so langer Zeit, wie vorhin gesagt worden ist: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!» (Heb. 4:4-7)

Der Sabbat ist also gemäß der Lehre des Neuen Bundes keine Königin sondern vielmehr ein König, keine Braut sondern ein Bräutigam. Wer in diesen Sabbat eingeht ist Yeschuas Königin-Braut. Wir empfangen am Sabbat Yeschua als König, und insofern wir das tun, sind wir Seine Braut.  Mit dem König kommt Sein Königreich, mit dem Königreich kommt Sein Wille und Gebot zu uns, nach welchem wir denken, reden und handeln sollen.

Der letzte Sabbat

Wir befinden uns am Ende der Weltzeit, und die biblische Heilsgeschichte mündet in das siebte Jahrtausend ein, das Sabbat-Jahrtausend. Der Wochen-Sabbat beginnt immer freitags mit Einbruch der Nacht. Auch in der christlichen Welt ist die Nacht hereingebrochen. Das Christentum hat seinen Biß verloren. Man hat zwar die äußere Form zu einem gewissen Grad bewahrt, aber die Beziehung mit Gott und Seinem Messias ist abgekühlt und leer. Der Humanismus hat übernommen.

Im Gleichnis Yeschuas schlafen alle zehn Jungfrauen wenn der Bräutigam kommt. Der Weckruf erst offenbart, ob Öl sie zum Nachfüllen ihrer Lampen haben. Wenn der Sabbat/ Yeschua einbricht, wird es für viele von uns so sein, als ob wir vom Schlaf aufschrecken und erkennen, daß unser Haus zerstört und alles was uns wert und teuer war verschwunden ist.

Erinnern und Bewachen

In der israelitischen Nachfolgerschaft Yeschuas wissen wir, daß wir uns an den Sabbat erinnern und ihn bewachen sollen. Das ist in den beiden Kerzen abgebildet, welche am Sabbat von der Frau des Hauses entzündet werden, und mit welchen der häusliche Sabbat beginnt. Dieses Doppelgebot geht darauf zurück, daß sich das Sabbatgebot in 2. Mos. 20:8 von dessen Wiederholung in 5. Mos 5:12 unterscheidet. Und wenn Gott etwas so sagt, daß es auf zwei Arten verstanden werden kann, dann gelten beide Bedeutungen gleichermaßen.

Erinnern

Für israelitische Nachfolger ist die Erinnerung des Sabbats eigentlich eine Erinnerung an Yeschua  unseren geliebten König, und an das Werk, das Er für uns vollbracht hat. Deshalb sehen viele von uns die Erinnerung des Sabbats als ein Gebot, welches auch den Eingepfropften gelten sollte. Aber dieses Gebot wird in seiner Tiefe nicht darin erfüllt, daß man diesen oder jenen Tag feiert, sondern vielmehr darin, daß man Yeschua totale Herrschaft über sich gibt, und zwar in allen Bereichen des Lebens, und nicht nur betreffs der Feiertage.

Bewachen

Gleichermaßen ist für israelitische Nachfolger auch das Bewachen des Sabbats letztlich eine Frage der Nachfolge Yeschuas. Die Erinnerung, welche sich im Gedächtnis abspielt, wird in diesem Gebot ergänzt mit der Aktion des Bewachens. Ein schlafender Wächter wacht nicht, und folge dessen bewacht den Sabbat nicht, wer ihn nicht tut. Aber in seinem Wesen ist dieses Gebot nicht darin befolgt, daß man den Tag feiert, sondern erst dadurch, daß man einzig und vollständig Yeschua gehört. So wie der Sabbat ganz und gar von allem profanen Tun der Woche freigehalten werden soll, so soll auch unser Leben ganz und gar von Profanität frei sein. Wir nennen dies „Heiligung“.

Yeschua unser König und unser Sabbat

Yeschua ist unser Sabbat. Wir können Yeschua nicht angehören, indem wir uns lediglich an Ihn erinnern, und ebenfalls nicht indem wir nur das Richtige tun. Es geht im Grunde um beides, nämlich daß wir Seinen Willen tun in inniger Liebe zu Dem der Er für uns ist.

Ist Yeschua unser vielerwarteter Geliebter und Verlobter, auf Den wir uns vorbereiten und Den wir herbeisehnen? Leben wir in Seiner Erwartung, und wachen wir unablässig betend? Dann befinden wir uns schon in Seiner Sabbatruhe, welche nur erreicht werden kann, wenn wir Ihm in uns Raum geben. Nachträglich, nämlich nach Erscheinen des Bräutigams geht nichts mehr!

Haben wir die Sabbatruhe?

Das ist die Frage, die jeder von uns für sich beantworten sollte. Haben wir die Sabbatruhe nicht, dann müssen wir anfangen, die Dinge auszuräumen, welche zwischen Yeschua und uns stehen. Wir müssen damit anfangen und mit äußerster Dringlichkeit damit weiterfahren, bis wir in Seinen Armen liegen.

Paradigma #2 – Heilig

Im christlichen Umfeld wird heilig gemeinhin als rein, sündlos, erhaben und überweltlich interpretiert. Das hebräische Wort für „heilig“ ist קדוש (gesprochen: kadosch). Die hebräische Bedeutung des Wortes ist für Gott „abgesondert“, für Seinen Zweck oder zu Seiner besonderen Verwendung „aufgespart“, oder besser noch „reserviert“. Der Begriff der Reservierung ist ziemlich treffend, zum Beispiel eine Platzreservierung mit Vorbezahlung im Theater oder in der Oper. Der Begriff kadosch wird exklusiv für heilige Dinge verwendet, und er ist stark. Ein Unbefugter, der sich sich am heiligen Ort aufhält oder dort eindringt hat sein Leben verwirkt.

Im Tempel von Jerusalem gab es eine gefürchtete Tempelwache aus linkshändigen Leviten. Wer unbefugt in den heiligen Bezirk eindrang, wurde von diesen Kriegern an Ort und Stelle erschlagen. Es gab keinen Prozeß, und deshalb waren da auch Mauern und Absperrungen mit Warnschildern angebracht, um ein Eindringen zu verhindern. Falls es dennoch vorkam, mußte die Verunreinigung des heiligen Bezirks auf der Stelle durch das Blut des Eindringlings gesühnt werden. Dies illustriert die Stärke des Begriffs Kadosch.

Gott ist heilig

Gott offenbart Sich als der Heilige, was bedeutet, daß es dem Menschen grundsätzlich unmöglich ist, sich Gott zu nähern.

Wer sich Gott nähern will, muß das Protokoll befolgen, welches Gott eingerichtet hat. Wer sich nicht daran hält, hat sein Leben verwirkt. Wenn wir heute solche Texte lesen, ist uns der tödliche Ernst der Situation in aller Regel nicht bewußt, und oft sind wir uns des Privilegs nicht bewußt, zu Gottes Bezirk Zutritt zu haben, welches Yeschua durch Seine Erlösungstat für uns erworben hat (Heb. 10:19-22).

Gottes Kinder sind heilig

In 3. Mose 20:26 lesen wir, daß Heiligkeit mit Absonderung und Besitztum bedeutet:

Und ihr sollt mir heilig sein, denn ich bin heilig, ich, Jehova; und ich habe euch von den Völkern abgesondert, um mein zu sein.

Wir sind heilig, wenn wir Gott gehören. Heiligkeit kann nicht durch eigene Anstrengung erlangt werden, auch wenn das viele Rabbiner nicht gerne hören. Heiligkeit ist aber auch nicht damit abgeschlossen, daß Gott Sich uns durch Yeschuas Heilswerk erworben hat, was viele Pastoren nicht gerne hören.

Die Heiligkeit, die Gott für uns erworben hat, soll uns das höchste Gut sein. Als Geheiligte sondern wir uns von allem ab, was nicht mit Gottes Heiligkeit übereinstimmt, denn auch Gott hält Sich fern hält von allem Unheiligem. Mit anderen Worten: wir müssen unser Herz prüfen, sonst können wir nicht vor Gottes Thron treten. Heiliges und Unheiliges darf nicht vermischt werden.

Heiligkeit hat nichts mit Gut und Böse zu tun. Es ist eine Wesensart, welche mit Hingabe und Ausschließlichkeit viel mehr zu tun hat als mit Ethik. Gott ist kein Ethiker. Und wer Gottes Gesetz mit humanistischen Maßstäben messen will, wird enttäuscht werden. Wir sollen für Gut befinden, was Gottes Willen entspricht, während alles Seinem Willen widersprechende für uns Böse sein soll, und allein im Wort Gottes ist Sein Wille offenbart.

In der Rabbinischen Lehre ist der Begriff der Heiligkeit in das Feld des humanistischen Denkens entrückt worden, während im Christentum die Heiligkeit vom Menschen fast gänzlich enthoben ist. Im Judentum ist Heiligkeit eine Sammlung von Verhaltensregeln, und wer sich daran hält ist durch sie geheiligt. Im Christentum ist Heiligkeit etwas, was man dank Yeschuas Heilswirken von Gott geschenkt bekommt ausschließlich durch Glauben, und ohne eigene Mitwirkung. Beide Sichtweisen sind teilweise falsch und teilweise richtig. Die Wahrheit liegt – wie so oft – in der Mitte. Wir haben mit der Annahme der Erlösung eine Verpflichtung auf uns genommen, welche oft übersehen wird, weil wir die Unverlierbarkeit der Erlösung gelehrt werden, ein Paradigma, welches wir an anderer Stelle behandeln werden. Wir haben eine Verpflichtung auf uns genommen, welche im 12. Kapitel des Hebräerbriefes beschrieben ist. Hebräer 12:14  sagt folgendes:

Jaget nach dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den HERRN sehen,…

Das ist eine klare und absolut verpflichtende Bedingung mit ebenso deutlicher Warnung! Wir empfehlen, das ganze Kapitel zu lesen.

Kadosch/ Hagios

Wir sehen uns nun die jeweiligen ersten und letzten beiden Vorkommnisse des Begriffs im Hebräischen bzw. Griechischen Text an:

Erstmalig hebräisch im Schöpfungsbericht, nachdem Gott den Sabbat erschuf (Hervorhebung unsere):

Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte.  Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte. (1. Mose 2:2-3)

Im neuen Testament, griechisch,  als Maria mit Yeschua schwanger wurde:

Mat 1:18  Mit dem Ursprung Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger befunden von dem Heiligen Geist.

Letztmalig hebräisch in Maleachi, wo der Prophet die Sünde Judas anklagt:

Mal 2:11 Juda hat treulos gehandelt, und ein Greuel ist verübt worden in Israel und in Jerusalem; denn Juda hat das Heiligtum Jehovas entweiht, welches er liebte, und ist mit der Tochter eines fremden Gottes vermählt.

und griechisch in der Offenbarung, wo gewarnt wird davor, vom Wort wegzunehmen oder dazu hinzuzufügen:

Off 22:19 und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist.

Aus diesen Stellen folgt:

  1. Gott setzt den Standard für die Heiligkeit
  2. Gott ist die Quelle der Heiligkeit
  3. Bei Gott gibt es keine Vermischung in der Heiligkeit
  4. Ohne Heiligkeit kommt niemand in Gottes Gegenwart

Heiligung

Heiligung (= Heilig-Werden) ist ein lebenslanger Prozeß, der darin besteht, sich Gottes Bedingungen zu unterordnen. Mit unserer Wiedergeburt haben wir von Gott das Potential erhalten, um in der Heiligung zu leben. Aber auch wenn wir uns in diesem Leben sehr bemühen, erreichen wir das Ziel doch nie ganz.

Aber die Mühe ist nicht umsonst, solange wir den Weg unter die Füße nehmen. Das einzige bleibende Werk unseres Lebens ist jenes, das Gott in unserem Leben vollbringt. Er wird jedoch nur dann in unser Leben hineinwirken, wenn wir darin Seine Partner sind. Ohne unsere Mitwirkung tut Er nichts.

Unsere Nachfolge ist nicht darin vollendet, daß uns Gott erkauft hat, und auch nicht durch die Taufe, sondern  Gottes Herrschaft muß tagtäglich in unserem Leben realisiert werden. Die Menschen um uns herum sollen sehen, daß wir Gottes Kinder sind, denn wenn es nicht sichtbar wird, dann ist es nicht wahr (=>Jak. 2:14).

Hurerei und Götzendienst

Wir können den Begriff der Heiligkeit besser verstehen, wenn wir beachten, wie Satan den Begriff pervertiert hat. Von derselben Wurzel wie kadosch werden auch die Worte Kadesch (Prostituierter) und Kdescha (Prostituierte) gebildet. Der Begriff Kadesch/ Kdescha bezeichnet eine Praxis aus dem Heidentum. Satan will, daß sich heilige und unheilige Begriffe vermischen. Halbherzigkeit ist seine stärkste Waffe, und er liebt es, wenn wir auf beiden Seiten hinken. Er sitzt auf dem „Flügel“ (Dan. 9:27; Mat. 24:15; Mar. 13:14) und gibt vor, Gott zu sein (2 The. 2:4).

Das Gegenteil von heilig ist nicht unheilig, sondern pervers. Unheilig sind wir alle. Wir können uns heiligen, aber wir werden nie so sein wie Gott, Der allein heilig ist. Wir sollen jedoch nicht pervertieren, sondern uns fernhalten von Vermischung und von Verwirrung. Satan liebt die Perversion. Wir jedoch sollen uns fern halten von allem was sich Gott entgegenstellt und uns davon trennen.

Wir sind immer in einer von zwei Richtungen unterwegs, doch nie in beiden gleichzeitig, weil sie sind einander zuwiderlaufen. Wenn wir die Heiligung in unserem Leben nicht mehren, dann sind wir  geistliche Schlafende, und uns fehlt der Heilige Geist, welcher uns gegeben wurde, damit wir in der Heiligung wachsen (Off. 22:11).

Erkenntnis

In der Schrift finden sich für Unerfahrene und Halbherzige viele Widersprüche. Diese lösen sich nach und nach auf, wenn wir in der Heiligung zunehmen. Indem wir lernen, heilige von unheiligen Dingen zu unterscheiden, wird Sein Wille für uns immer klarer, und den Gehorsamen wird Er sich zunehmend zu erkennen geben. (Spr. 3:32)

Zielsetzung

Gott will unser König und unser Ziel sein. Er beansprucht absolute Priorität, und Sein Wille soll absolute Autorität haben. Gottes Wort täglich zu erforschen und uns radikal danach zu richten, was Gott uns als Seinen Willen offenbart, ist unverzichtbar für jeden, der sich von der Welt trennen und in Heiligkeit wandeln will.

Gottes höchstes Ziel ist innige Gemeinschaft mit den Menschen, die Ihn lieben. Wir zeigen Ihm unsere Liebe darin, daß Heiligung unser größtes Anliegen und Ziel ist, bis wir eines Tages mit Ihm vereint sein werden für alle Ewigkeit.

Heiligung ist das schwerste, teuerste, kostbarste und seltenste Gut des Universums. Sie ist eine Angelegenheit von ewigem Leben oder ewigem Tod (Heb. 12:14), deshalb laßt uns in ihr wachsen. Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. „Vater im Himmel, zeige mir die Dinge in meinem Leben, die Gedanken, Worte und Gewohnheiten, die Haltungen und die Beziehungen, die Dir nicht gefallen, die nicht von Dir sind. Ich will sie alle loslassen, ausreißen und mich davon abkehren um Dir nahe zu sein und Dir allein zu gefallen.  Amen.

Paradigma #3 – Priester

Priester in der Bibel – Melki Tsedek

Die hebräische Bibel kennt mehrere Worte für den Priester. Am bekanntesten dürfte der Kohen (כהן) sein. Ein Kohen ist ein Nachkomme Aharons, des Bruders von Mosche. Das Eigenartige ist, daß der Begriff in der Bibel zum ersten Mal vorkommt, lange vor der Zeit von Mosche und Aharon. Der erste Kohen ist nämlich Melki Tsedek, der König-Priester von Salem (Jerusalem). Wir finden das in 1 Mose 14:18-20:

Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei. Und er war ein Priester Gottes, des Allerhöchsten.  Und er segnete ihn und sprach: Gesegnet sei Abram vom allerhöchsten Gott, dem Besitzer des Himmels und der Erde.  Und gelobt sei Gott, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand geliefert hat! Und Abram gab ihm den Zehnten von allem. (1 Mose 14:18-20 – Schlachter 51)

Zwei Dinge unterscheiden diesen Priester von allem, was gemeinhin als Priester verstanden wird: Dieser Priester bekleidet ein weltliches und ein geistliches Amt gleichzeitig, und er ist ohne Herkunft.

Melki Tsedek kommt in der Bibel zehnmal vor, zweimal im AT und achtmal im NT. Die andere Stelle im AT finden wir in Psalm 110:4:

Der HERR hat geschworen und wird es nicht bereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks! (Schlachter 51)

Die restlichen acht Referenzen auf Melki Tsedek befinden sich alle im Hebräerbrief, jedes Mal mit Hinweis darauf, daß Yeschua zu der Ordnung Melki Tsedeks gerechnet werden muß, sowie auch wir, die wir ein königliches Priestertum der gleichen Art empfangen haben, als wir an Yeschua gläubig wurden (vgl. 1 Petr 2:9-12) .

Wahres Priestertum

Zwei andere Begriffe werden im AT verwendet, um einen Priester zu bezeichnen: Levite (לוי) und Komer (כומר). Leviten sind Angehörige des Stammes Levi, welcher von Gott am Sinai ausgewählt wurde, am Tempel zu dienen. Ein Komer ist ein heidnischer Priester, der den Götzen dient. Der Begriff findet sich nur zweimal in der Bibel, nämlich in 2 Kön. 23:5 und Zeph. 1:4. Nichtjüdische Priester werden auf Hebräisch mit diesem Titel genannt. Der wahre Priester jedoch ist ein Kohen. Er dient vor Gott im heiligen Bezirk des Tempels, indem er die täglichen Opfer bringt, räuchert, den siebenarmigen Leuchter anzündet und die Schaubrote auflegt. Einmal im Jahr geht er mit dem Blut des Lammes in das Allerheiligste, um Sühnung für die Sünden des Volkes zu erwirken. Gemeinsam mit Melki Tsedek, der den gleichen Titel Kohen trägt, ist er ein Vorschatten auf Yeschua, der auf der einen Seite mit Seinem eigenen Blut in das Heiligtum des Himmels eingetreten ist und ein für alle Mal Sühne gewirkt hat für die Sünde eines Jeden, der glaubt. Auf der anderen Seite aber ist er auch der einzige, der die beiden Ämter des Königs und des Priesters in Sich vereinen kann.

Allgemeines Priestertum

 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündiget, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat,  die ihr einst nicht ein Volk waret, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt waret, nun aber begnadigt seid.  Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilgrime: Enthaltet euch von den fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten;  und führet einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie da, wo sie euch als Übeltäter verleumden, doch auf Grund der guten Werke, die sie sehen, Gott preisen am Tage der Untersuchung. (1 Petr 2:9-12Schlachter 51)

In diesen vier Versen gibt uns Petrus 14 zentrale Charakteristika des Priestertums zu welchem wir gerufen sind.

Auserwähltes GeschlechtBegnadigte
Königliches PriestertumFremdlinge
Heiliges VolkPilger
Volk des EigentumsEnthaltsame
Verkündiger der Tugenden GottesVorbilder
Berufene zum LichtVerleumdete
Gottes VolkZeugen
Petrus 14 – Charakteristika des Priestertums 1

Jeder dieser Begriffe müßte nun im Detail ausgeführt werden. Aber das würde den Rahmen dieses Rundbriefs sprengen. Doch nehmen wir uns die Zeit und machen uns Gedanken über die einzelnen Charakteristika, denn diese machen unsere Berufung und das Ziel sichtbar, welche wir als Nachfolger Yeschuas ins Auge fassen und anstreben müssen.

Off. 1:5b-6 Ihm, der uns liebt und uns durch sein Blut von unsren Sünden gewaschen und uns zu einem Königreich gemacht hat, zu Priestern für seinen Gott und Vater: ihm gehört die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit! Amen. (Schlachter 51)

Johannes, in der Einleitung für die Offenbarung, gibt uns diese wunderbare Einsicht über die Priesterschaft, zu welcher wir berufen sind. Er zeigt uns das Werk des Hohepriesters Yeschua, das Er für uns getan hat, damit wir ebenso ein priesterliches Volk werden. Wir wollen noch einmal innehalten und uns in die einzelnen Aussagen vertiefen, damit uns der Heilige Geist in Dank und Anbetung führen kann.

Ihm (Yeschua)Für Seinen Gott
Der uns liebtFür Seinen Vater
Durch Sein BlutEr ist der Besitzer der Herrlichkeit
Wäscht Er uns reinEr ist der Besitzer der Macht
Von unseren SündenFür alle Ewigkeit
Er macht uns zu einem KönigreichEr ist das Amen
Er macht uns zu PriesternDie Wahrheit bleibt ewig
Off. 1:5-6 – Charakteristika des Priestertums 2

Man muß gut hinsehen, um zu erkennen, daß auch diese Liste 14 Elemente enthält. Diese Zahl ist kein Zufall, sondern ein Hinweis darauf, worum es hier geht. Die Sieben ist das Symbol der Gegenwart Gottes in der Gemeinde. In der Verdoppelung ist sie das Symbol für die Gemeinschaft und das Zusammenwirken von Gott mit Seinem Volk. Die doppelte Sieben symbolisiert das Wesen der Priesterschaft.

Heiligung

Die christliche Welt sieht vielerorts nicht so aus, daß sie Gott und dem Evangelium viel Ehre bringen würde. Wir brauchen nur, jeder von uns, vor einen Spiegel zu stehen und die Augen zu öffnen, um den Grund für die Mängel zu erkennen. Aber Gott hat uns nicht nur eine Liste von Anforderungen übermittelt, sondern auch eine Lehre, die uns auf den richtigen Weg zum Ziel bringt. Wir wollen hier in aller Kürze verdeutlichen, was die Bibel als Anfang für den richtigen Weg zur Erfüllung unserer priesterlichen Berufung rät. Wenn wir damit anfangen, wird alles andere folgen.

1.     Erwachen

Um eine Änderung in unserem Leben vollziehen zu können, müssen wir zuerst zu der Einsicht gelangen, daß unser Leben nicht dem Ideal entspricht, das wir uns wünschen. Das Wort Gottes ist der Spiegel. Wenn wir hineinblicken, kommt der  Moment der Erkenntnis, das „Erwachen“.

2.     Erforschen

In dem Augenblick, wo uns unsere Situation als verdorben und in Gottes Augen ungenügend bewußt wird, dürfen wir nicht die Augen verschließen, noch sollen wir uns in die rettenden Arme des übervollen Terminplaners flüchten. Und wir dürfen auch dem Teufel nicht glauben, der uns weismachen will, daß wir halt so sind, und daß wir es ohnehin nicht schaffen uns zu ändern. Jetzt ist der Augenblick der Änderung gekommen. Heute ist der Tag des Heils, also laßt uns die Dinge genau untersuchen und herausfinden, warum wir uns an diesem Ort in unserem Leben befinden.

Laßt uns die Konzessionen an unser(e/n) Ehe, Familie, Nachbarschaft, Arbeit, Gemeinde, Gesellschaft, Ethik, Religion, Ansehen, Bildung, Sicherheit, Stand, Vermögen, Rechte, Integrität etc. unter die Lupe nehmen und nachprüfen, wieviel davon aus der Zusammenarbeit mit Gott stammt.

Laßt unser Augenmerk vom Geist Gottes auf die Dinge wenden, wo wir versagt haben, wo wir uns schämen, wo wir keine Vorbilder waren, wo wir in Rebellion verharren, wo wir doppelte Standards verwenden.

Laßt uns miteinander auf Gott hören, wie Er die Situation unserer Kinder einschätzt und welchen Anteil wir daran haben.

Inwiefern haben wir unseren Kindern den gottlosen Lebensstil vorgelebt, den sie jetzt wählen?

Inwiefern haben wir unser Leben auf materielle Werte abgestützt, auf menschliche Werte vertraut, der Wissenschaft mehr geglaubt als Gott, das Vergnügen mehr geliebt als die Gemeinschaft mit Ihm, der uns erkauft hat…

3.     Bekennen

Und wenn die Liste erstellt ist, dann laßt uns vor Gott Busse tun und den priesterlichen Dienst Yeschuas in Anspruch nehmen. Aus der empfangenen Vergebung, lasst uns den Menschen in die Augen sehen, die wir durch unseren lauen Wandel geschadet haben. Laßt uns Verantwortung für unsere Schuld übernehmen und bekennen, daß wir versagt haben. Laßt uns einander ins Gesicht um Vergebung bitten und laßt uns einander ins Gesicht vergeben.

4.     Umkehren

Aber keine Bitte um Vergebung ist abgeschlossen, solange wir der Vergangenheit, den Bosheiten und Irrtümern nicht konsequent den Rücken kehren und uns für Gott und nur für Gottes Wege entscheiden.

5.     Handeln

So laßt uns die Gelegenheit ergreifen und handeln! Denn nur insofern wir unseren Glauben in die Tat umsetzen ist er auch lebendig. Und nur indem wir in der Busse leben, können wir Gott als Priester dienen.

Was ein Priester der Ordnung Yeschuas ist

Israelitische Priester waren Männer, Angehörige des Stammes der Leviten. Sie waren Gott unterstellt und ihrem König, und sie waren in den Priesterdienst Berufene. Aber nicht alle. Wenn zum Beispiel ein Mann körperliche oder geistige Einschränkungen hatte, konnte er den Dienst nicht versehen. Er wurde nicht in das Amt berufen und wenn die Schäden später auftraten, wurde er aus dem Dienst entlassen.
Königliche Priester der Ordnung Yeschuas gehören zum „Stamm“ der Wiedergeborenen. Sie sind Gott und ihrem König Yeschua unterstellt. Priester der Ordnung Yeschuas sind in den Priesterdienst berufen durch die Taufe in den Heiligen Geist, welche Yeschua jedem gibt, der an Ihn glaubt. Deshalb ist jeder Nachfolger Yeschuas ein königlicher Priester nach der Ordnung Melki Tsedeks, und Yeschua ist der Hohepriester.

Israelitische Priester wurden von Menschen eingesetzt und geweiht. Sie waren bekleidet mit Roben, führten die diversen Tempel- und Opferdienste aus, leiteten Gebetszeiten, sie waren gelehrt, lehrten, dienten als Rechtsgelehrte und Richter, etc.
Ein Priester nach der Ordnung Yeschuas arbeitet in erster Linie an sich selbst, bzw. er läßt Gott an ihm arbeiten. Seine Arbeit besteht in erster Linie darin Gewohnheiten, Vorstellungen und Eigenschaften abzulegen, welche Gott Unehre bringen, und stattdessen zu erlernen und einzuüben, was Gott ehrt. Er ist nicht daran zu erkennen, was er arbeitet. Vielleicht ist er Gärtner, Bäcker, Professor, Müllmann, Fahrer, oder vielleicht ist er auch Rabbiner oder Pastor. Aber nicht jeder Rabbiner oder Pastor ist ein Priester der Ordnung Yeschuas. Leider!

Die Ordnung Melki Tsedeks

Das israelitische Priestertum der Ordnung Levis wurde eingerichtet, weil Israel nach dem Auszug aus Ägypten noch nicht bereit war, Gottes Stimme zu hören (2. Mose 20:19). Sie fürchteten sich vor Gottes Stimme so sehr, daß sie nach einen Vermittler riefen. Das war zuerst Moses, und später wurden das Levitische Priestertum sowie der Tempeldienst eingesetzt, um diese Vermittlungsrolle einzunehmen.

Gottes Absicht aber war schon immer, mit jedem Menschen Seiner Gefolgschaft persönlich zu reden. In Yeschua wurde dieser Plan umgesetzt, und die Priester der Gefolgschaft Yeschuas können Gottes Stimme hören (Joh. 10:27). Ein Weg ist z.B. die Gabe der Weissagung, welche Paulus in 1. Kor. 14:1 an die Spitze der Gaben stellt:

Strebet nach der Liebe; eifert aber um die geistlichen Gaben, vielmehr aber, daß ihr weissaget.

Einrichtung des Priestertums

Der biblische Bericht gibt sehr viele Einzelheiten preis über das Zelt, den Altar, die Möbel, Geräte und Einrichtung des Zeltes sowie über die Kleidung und die Pflichten der Leviten und der Kohanim. Nachdem alles eingerichtet und hergestellt war, noch bevor die Dienste angetreten werden konnten, mussten das Zelt, der Altar, die Möbel und Geräte, die Kleider, die Leviten und die Kohanim einen Prozeß durchlaufen, den wir auf Deutsch „Heiligung“ nennen (2. Mose 28:41; 29:36 etc.). Das zugrundeliegende Wort im hebräischen Grundtext heißt קידוש, Kiddusch, von der Wurzel ק.ד.ש, von welcher auch das Wort קדשה, Kdescha gebildet wird, der biblische Begriff für eine heidnische Tempel-Prostituierte.

Die hebräische Bibel bildet aus einer Wurzel sowohl das Wort „Heiligung“ wie auch das Wort „Tempelhure“. Darin offenbart Gottes Wort, wie schwierig es sein kann, Heiliges und Unheiliges zu unterscheiden. Eigentlich liegt das Problem zu einem großen Teil darin, daß wir nicht richtig verstehen, was Heiligung bedeutet.

In der Offenbarung an Johannes sind sowohl die Hure wie die Frau mit der Sternenkrone Symbole für die Gemeinde der Endzeit. Heiligkeit und Prostitution sind in der Christenheit dieser letzten Tage ganz eng miteinander vermischt, was sehr tragisch ist.

Priester gehören Gott

Etwas zu heiligen bedeutet in erster Linie, es für Gott abzusondern und zur Verfügung zu stellen. Es gibt keine heiligen Huren. Prostitution ist der biblische Inbegriff der Abkehr und des Abfalls vom Gott Israels. In der Übertragung auf das Priestertum unter Yeschua heißt das nun, daß jeder Priester ausschließlich Yeschua zur Verfügung zu stehen hat, als ganzheitliche Person, mit all seinem Besitz und mit allem, was zu ihm gehört und was er ist.

Man wird nicht dadurch ein Priester Yeschuas, daß man die Evangelien-Berichte zu glauben beginnt, sondern dadurch, daß man sich bewußt, ausschließlich und öffentlich der Regentschaft Yeschuas überantwortet. Der erste Schritt dahin ist das öffentliche Bekenntnis und die Glaubens-Taufe.

Niemand kann zwei Herren dienen. Er wird den einen lieben und den anderen hassen (Mat. 6:24).

Die Gemeinde dieser Endzeit hat zwei große Aufgaben zu erledigen: Sie muß sich von der „Welt“, dem „Fleisch“, der „Sünde“ abgrenzen und lossagen, und sie muß einen Ausweg finden aus der Halbherzigkeit und dem Geteilt Sein, denn wie ein Damoklesschwert hängt über unseren Häuptern die Drohung an Laodizäa (Off. 3:16).

Priester gehören dem Tempel

Heute gibt es in Jerusalem keinen sichtbaren Tempel Gottes mehr. Die Apostelbriefe und die Offenbarung entrücken den Tempel in den Himmel, wo Yeschua als Hohepriester dient.

Der Himmel ist der Thron Gottes (Mat. 5:34). Das Königreich Gottes, befindet sich in unserem Inneren/ in unserer Mitte (Luk. 17:21).

Gott will unseren gesamten Lebenswandel sowie unser Zusammenleben regieren. Dort, wo Er regiert, befindet sich der Tempel, den Yeschua in den drei Tagen von Seiner Kreuzigung bis zu Seiner Auferstehung gebaut hat (Joh. 2:19; 21). Daraus folgt, daß all jene, welche unter Yeschuas Regierung und ständigen Führung stehen zu diesem Tempel gehören.

Insofern daher jemand Bestandteil des Tempels ist, wird er von Gott bewohnt und regiert. Um von Gott regiert werden zu können, müssen wir Ihn reden hören können. Insofern wir Gott reden hören können, kommen wir in die Lage, Ihm gehorchen zu können, und insofern wir Ihm gehorchen, regiert Er unser Leben, und dann sind wir ein Bestandteil Seines Tempels. Es ist unbedingt notwendig, daß wir diese Zusammenhänge verstehen. Wir sind drin oder wir sind draußen. Wir selbst entscheiden ständig darüber, und unser Leben ist Zeugnis dafür.

Aus Gottes Sicht leben wir nicht als Individualisten. Wir sind in einen Leib hinein geboren worden. (Röm. 12:1-5) Wir leben nicht mehr für uns und unsere Interessen, Ziele und Wünsche. Wir sind zum Dienst an Gott und Seinem Volk, der Gemeinde, berufen. (1. Pet. 4:10) Die frisch geborene Gemeinde nach Pfingsten ist das Vorbild dessen, was in Gottes Reich Gemeinde heißt. Einer hatte Acht auf den anderen, jeder diente mit seinen Gaben, den geistlichen und den materiellen nach seinem Vermögen. Deshalb war das Zeugnis der ersten Christen so deutlich und so fruchtbar. Wie weit wir von diesem Vorbild weggerückt sind, muß jeder von uns selbst beantworten. Die Folgen jedoch treffen uns alle.

Dienstbereiche des Priesters im Blick auf die Stiftshütte

In der Stiftshütte finden wir fünf Gegenstände die das Arbeitsfeld des Priesters innerhalb des Heiligtums symbolisieren. In der der Stiftshütte und im Tempel war der Priesterdienst ein Dienst mittels materieller Gegenstände. Im Neuen Bund dienen wir einander, und so wird der Tempel Gottes in unserer Mitte gebaut, welcher weit über die Gegenstände der Stiftshütte und deren Dienerschaft sowie deren Zeremonien hinausgeht.

Wir können die Symbolik der Gegenstände des Mosaischen Heiligtums auf den Melki Tsedekischen Priesterdienst übertragen. Hier ein Beispiel: Opferaltar=> Evangelisation; Waschbecken=> Seelsorge; Schaubrottisch=> Praktische Hilfe; Siebenarmiger Leuchter=> Gottes Wort und der Heilige Geist; Räucheraltar=> Formen des Gebets wie Anbetung, Fürbitte, Danksagung.

Bekenntnis des Priesters

Als Priester Gottes haben wir das Bekenntnis von Yeschua. Aus Sicht Gottes ist es ganz einfach: Entweder haben wir den Glauben von Yeschua oder wir haben keinen Glauben. (Off. 14:12) Um diesen Glauben zu bekennen und darin zu leben, müssen wir den Glauben Yeschuas kennen. Deshalb schreibt der Apostel Paulus immer wieder vom Wandel unseres Denkens (Röm. 12:2) und der Erneuerung unserer Gesinnung (Eph. 4:23, Kol 3:2).  Ein Priester Gottes denkt, spricht und handelt dem Wort Gottes gemäß.

Yeschua bekennt Sich dazu, daß der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs Sein Gott ist, und daß Er dessen Sohn ist.

„Ich und der Vater sind eins.“(Joh. 10:30)  

„auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, auf daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind;  ich in ihnen und du in mir, auf daß sie in eins vollendet seien, und auf daß die Welt erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, gleichwie du mich geliebt hast.“ (Joh. 17:21-23)

Yeschua ist das gelebte Wort Gottes, Er ist das Wort Gottes. Wir leben den Glauben von Yeschua, indem wir dem geschriebenen Wort Gottes glauben und danach leben, gereinigt von menschlicher Interpretation, Traditionen und nachbiblischen Texten. Die Bibel genügt.

Die Arbeit des Priesters

Vermutlich haben viele unter den Lesern auf diesen Abschnitt gewartet. Unsere Generation von Menschen, insbesondere jene aus den privilegierteren Regionen der Erde identifiziert sich stark nach dem was sie tun. Eine der ersten Fragen, die man von einer neuen Bekanntschaft zu hören bekommt ist: „Was ist Deine Arbeit/ Dein Beruf?“ Kommt man in weniger privilegierte Gegenden der Erde, haben die Menschen neuer Bekanntschaften andere Prioritäten. Und je schwieriger die Lebensumstände sind, desto direkter zielen erste Fragen auf die Lebensumstände, und dann fragt man vielleicht: „Hast Du Hunger? Hast Du Durst?“

Ein Priester Gottes weiß was die Menschen um ihn herum brauchen, denn er hört auf Gott. Der Priester ist kein vollkommener Mensch. Er ist auf dem Weg dorthin. Der Priester ist kein Beamter Gottes, sondern er bemüht sich, immer auf Gott zu hören und das Gehörte zu tun. Manchmal ist er ungehorsam. Dann nimmt ihn Gott in die Arbeit. Die Arbeit des Priesters besteht darin, das zuzulassen, was Gott in seinem Leben gerade tut. Aber wie weiß er, was Gott gerade in seinem Leben tut? – Darin besteht eben die eigentliche Arbeit im Königreich Gottes: Gottes Stimme zu hören und zu tun was Er sagt. Und wenn sich der Priester dabei ertappt, daß er gerade vor Gott davonläuft? Was wenn er Gott schon seit Stunden, Tagen, Wochen, Monaten, Jahren oder Jahrzehnten davonläuft? Dann war das deswegen, weil er Gott nicht reden hören wollte oder konnte.

Die Antwort eines Informatikers auf meinen Hinweis darauf, daß Gott und Seine Engel immer bei ihm seien und uns „über die Schultern schauen“, und daß dieses Bewußtsein uns helfe, heilig zu leben: „Aber ich muß mich beim Programmieren so konzentrieren – Ich kann nicht den ganzen Tag an Gott denken.“

Bewußtsein hat wenig mit Denken zu tun. Fromme Juden sagen einen Segensspruch, wenn sie etwas für Gott tun. Priester sollen alles für und mit Gott tun,  und sie sollen nichts tun, außer es ist der Wille Gottes. Daher fordert uns Paulus auf, Gott allezeit und in allen Dingen Dank zu sagen (Eph. 5:20 und Kol. 3:17). Er weiß aus Erfahrung, daß dies eine biblische und bewährte Übung ist, welche uns dient, unser Leben völliger  unter die Herrschaft und Kontrolle Gottes zu bringen.

Wer nicht hören kann…

Der priesterliche Mensch ist der Mensch, der Gottes Stimme hört, sie kennt und ihr gehorcht. Wenn es uns schwer fällt Gottes Stimme zu hören, dann müssen wir herausfinden, was uns hindert. Es gibt einiges, was uns hindern kann, Gottes Stimme zu hören: Sünde, mangelnde Beschäftigung mit Gottes Wort, mangelnde Zeit mit Gott in der Stille, mangelndes Gespräch mit Gott, mangelnder Gehorsam gegenüber den Dingen, die uns von Gott gezeigt wurden, sowie mangelnde Dankbarkeit in allen Dingen und für alles.

Wenn wir Busse tun, dann werden wir Gottes Stimme bald wieder hören. Seine Worte sind Geist und Leben für uns! (Joh. 6:63) Wenn wir Sein Reden nicht hören, dann fehlt uns das Leben, und dann verirren wir uns wie Schafe ohne Hirten.

Gott hat uns zur Priesterschaft berufen, weil Er durch uns den Menschen dienen will, weil Er Sein Reich baut, und weil das Kommen Yeschuas nahe ist!

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündiget, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat,  die ihr einst nicht ein Volk waret, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt waret, nun aber begnadigt seid.  Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilgrime: Enthaltet euch von den fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten;  und führet einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie da, wo sie euch als Übeltäter verleumden, doch auf Grund der guten Werke, die sie sehen, Gott preisen am Tage der Untersuchung. (1 Petr 2:9-12)